über diesen Blog

Im Oktober 2011 stand fest: akzente bloggt/redet mit.

Kurzerhand eröffneten wir unseren ersten Blog auf wordpress, versammelten bis Juli 2012 zahlreiche Stimmen von AutorInnen aus unterschiedlichen beruflichen Kontexten und versuchten damit, einen möglichst perspektivenreichen Einblick in unsere Überzeugungen anzubieten.

Dieser Blog gab/gibt uns die Möglichkeit zu Themen Stellung zu beziehen, die sich auf unsere Arbeitsfelder beziehen, auf sie einwirken und die uns einfach aus bildungspolitischer Sicht am Herzen liegen.

Seither haben wir unsere Liebe zu neuen Medien ständig erweitert, uns mit ebenso viel Herzblut dem (freien) Radio verschrieben und es in unserem aktuellen Projekt Heimat@Töchter geschafft, beide Leidenschaften (Blog und Radio) wieder zu vereinen. Derzeit bloggen wir daher vor allem auf www.frauengestaltenregion.wordpress.com, sind aber davon überzeugt, dass wir auch an dieser Stelle bald wieder „mitreden“ werden.

Wir wünschen gute Unterhaltung und spannende Erkenntnisse beim Stöbern!

(Ganz offiziell finden Sie uns unter www.akzente.or.at)

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Mittlerweile wissen wir: Die Erde ist keine Scheibe.

Kommunikation ist ein spannendes Feld. Auch bei akzente bieten wir immer wieder Workshops zum Thema an und befassen uns mit unterschiedlichen Kommunikationstheorien und wie sich die Kommunikation in bestimmten Situationen verbessern lässt. So verfolgen wir auch mit Interesse, was KollegInnen aus unserem beruflichen Umfeld zum Thema sagen.

Dabei sind wir in der Kolumne von Wolfgang Binder (Psychologe) im Weststeirer auf folgende Aussage gestoßen:

„Generell neigen Männer genetisch bedingt eher dazu auf der Sachebene zu hören, dies ist vor allem evolutionär bedingt. D.h. wenn Frauen mit Männern kommunizieren, ist es für sie ratsam, genau zu sagen, was sie wollen. Im Gegenzug dazu sollten Männer in der Kommunikation mit ihren Frauen etwas empathischer kommunizieren und die Beziehungsaspekt miteinbeziehen.“

Säbelzahntiger und Lagerfeuerromatik als Kommunikationsratgeber

Kommunikationsratgeber für Frauen (und Männer) sind seit Ende der 90er Jahre ein Fixpunkt in jeder Buchhandlung und auch Teil vieler privater Bücherregale. Die Titel sind ansprechend und provokant („Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“/ „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ / Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken können“ usw.). Die Bücher sind einfach zu lesen, reihen Anekdoten aneinander, beziehen sich auf Studien, die nicht zitiert werden und knüpfen an Beobachtungen des Alltags an, die die meisten von uns schon mal erlebt haben.

Das Ziel: Männer und Frauen in Paarbeziehungen sollen sich besser verstehen bzw. Frauen, die erfolgreicher sein wollen, bekommen Tipps um „richtig“ und „besser“ zu kommunizieren.

Wie wird’s gemacht: Statt Kommunikationstheorien werden vor allem geschlechterstereotype Rollenbilder von Frauen und Männern bemüssigt, die mit vorgeblich wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Gehirnforschung und der Evolutionstheorie (und den Erlebnissen mit dem eigenen Partner/der Partnerin, oder auch dem Nachbarn) belegt werden. Der Tenor geht eindeutig in die Richtung: Männer und Frauen sind so, weil sie ja gar nicht anders können. Wegen der Natur und so. Darum findet der Mann auch die Butter im Kühlschrank nicht. Säße ein Säbelzahntiger drinnen, der sich auch noch bewegt, wäre das überhaupt kein Problem.

Resultat: Alles bleibt wie gehabt, schließlich kann man/frau ja gar nicht anders und beide sollten sich halt ein bisserl bemühen.

Das klingt alles sehr einfach und logisch…auf den ersten Blick.

Wissenschaft statt Alltagsvermutungen

Auf den zweiten Blick muss allerdings eingeräumt werden, dass sich Theorien, auf die zur Erklärung bestimmter Phänomene zurückgegriffen wird, auch in ihrer wissenschaftlichen Reputation ändern. Aus gutem Grund. Die Medizin spricht mittlerweile generell von Hormonen, die in menschlichen Körpern zu unterschiedlichen Anteilen vorhanden sind (und zwar unabhängig von Geschlecht),  die Neurowissenschaften legen mittlerweile dar, dass unser Gehirn vor allem durch Erfahrungen, psychologische Einflüsse und Tätigkeiten lernt.

Begriffe wie Evolution, Gehirn und Genetik werden allerdings nach wie vor in populärwissenschaftlichen Publikationen gerne verwendet, weil sie nach „Natur“ ergo „das war immer schon so“ klingen und daher scheinbar keiner weiteren Nachforschungen oder Quellen bedürfen. Dass evolutionstheoretische Erklärungsmodelle aber nur schwer für die Erklärung von Kommunikationsproblemen herangezogen werden können, sollte deutlich werden, wenn wir uns näher damit beschäftigen, welche Funde zur Untermauerung dieser Thesen herangezogen werden können (etwa Knochen, Felsmalereien, Grabbeigaben und andere Alltagsgegenstände). Die Interpretation obliegt zudem unserer heutigen Vorstellung von Männern und Frauen.

Und was ist jetzt mit dem Kommunikationsproblem?

Zwischenmenschliche Kommunikationsprobleme sind durchaus keine Seltenheit. Das 4 Ohren Modell von Schulz von Thun, dass Wolfgang Binder in seinen Ausführungen ebenfalls erwähnt, ist sicherlich eine gute Basis, um sich näher damit zu beschäftigen. Verweise auf die Unveränderlichkeit und die Allgemeingültigkeit von Geschlechterstereotypen sind dabei aber wenig produktiv und bedingen vor allem eine Verfestigung von Zuschreibungen und damit rollenkonformes Verhalten, statt dass sie zu einem wirklichen Verständnis des Gegenübers führen. Sie verstellen die Sicht auf individuelle Charaktereigenschaften, Erfahrungen und Verhaltensmuster und lenken von der eigentlichen Frage nach der Problemlösung ab.

Die Geschlechterdichotomie hinsichtlich rational vs. emotional ist übrigens ein Konstrukt aus der Tradition der europäischen Philosophie und wird gerne auch im kolonialen Kontext ganzen Bevölkerungsgruppen übergestülpt. Daher sind diese Zuschreibungen auch wenig haltbar im Rekurs auf naturwissenschaftliche Disziplinen.

Für alle, die gerne auf der Sachebene argumentieren, empfehlen wir, um auf dieser zu bleiben, sich den neuesten Erkenntnissen der Geistes- und Naturwissenschaften zuzuwenden anstatt  Alltagsbeobachtungen und populärwissenschaftliche Ratgeber zu bemühen.

Veröffentlicht unter global | Verschlagwortet mit , ,

Anerkannt!

Ganz bös‘ könnte ja zum Thema Dequalifizierung gesagt werden: Im Westen nichts Neues. 2007  zebrach sich zumindest die Zebratl-Redaktion schon darüber den Kopf. Im Kontext von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen begneten einem/r damals immer wieder  Frauen mit – für Österreich etwas ungewohnt – technischen Berufsausbildungen, die sie anno dazumal hinter dem Eisernen Vorhang absolviert hatten; oder in Afghanistan. Hierzulande waren sie maximal Reinigungskräfte oder Küchenhilfen.
Nun schreiben  wird das Jahr 2012, Sozialminister Rudolf Hundstorfer ruft die Liste der Mangelberufe aus, die Wirtschaftskammer führt seit zwei Jahren ein Mentoring für MigrantInnen durch, die hochqualifiziert trotzdem keine Arbeit finden und  Edith Zitz und Mioara Girlasu von inspire analysieren woran es eigentlich hakt.

——————————————————————————–

Edith Zitz

Mag.a Edith Zitz, Diversitäts-Fachfrau

Wir hören ihn laufend, einen Klassiker in der Wirtschafts- und Arbeitswelt: die Universitätslektorin als Reinigungskraft, der Diplomingenieur als Taxilenker. Die Lage von gut ausgebildeten MigrantInnen, die in Österreich weit unter dem, was sie fachlich können, arbeiten, ist unter der Bezeichnung „Dequalifikation“ inzwischen wohlbekannt. Eine solche Erfahrung machen zwar auch ÖsterreicherInnen, aber bei weitem seltener als MigrantInnen. Zugleich kann man – je nach Temperament mit Schulterzucken, mit Fassungslosigkeit angesichts des Fachkräftemangels oder mit Ärger ob dieses „brain waste“ – feststellen, dass sich dazu jahrzehntelang politisch in Österreich sehr wenig getan hat. Wohl haben sich dazu NGOs engagiert und einige wenige Fachleute geäußert, die aber kaum breit wahrgenommen wurden. Erst die letzten zwei Jahre weisen auf eine erhöhte Aufmerksamkeit bei diesem Thema hin. So hat im Frühjahr 2012 eine Studie der Donau Uni Krems erstmals österreichische Zahlen, Daten, Fakten zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen (Nostrifizierungen, Nostrifikationen, Gleichhaltungen) auf den Tisch gelegt. Ihre Kernaussage: Sogar an Statistiken, wer wann wo mit/ ohne Erfolg sein Diplom zur offiziellen österreichischen Anerkennung einreicht, mangelt es, ebenso an einer echten Gesamtstrategie, die zum Mit-Anpacken einlädt. Heuer berief das Sozialministerium jedoch erstmals eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit einem österreichweiten Konzept für Anerkennungs-Anlaufstellen befasste. Und im Rahmen der Integrationspartnerschaft Steiermark hat auch der Verein inspire mit Jahresanfang zusammen mit dem Land Steiermark (Integrationsressort), der Wirtschaftskammer und dem AMS das Projekt „Anerkannt!“ gestartet. Es beinhaltet Maßnahmen zur formalen Anerkennung der ausländischen Ausbildungen und zielt zugleich auch auf Respekt vor der gesellschaftspolitischen Vielfalt in unserem Bundesland ab, zu der neben Frau und Mann, Alt und Jung, eben auch Zugewanderte bzw. schon länger in der Steiermark Ansässige gehören.

 Was tut „Anerkannt!“ genau?

  • Wir haben die steirische Lage analysiert, und zwar aus Sicht aller Institutionen und AkteurInnen, die mit Anerkennungsabläufen befasst sind.
  • Wir entwickeln und kommunizieren konkrete rechtliche Empfehlungen zu den sehr komplexen ausbildungs- und berufsbezogenen Gesetzen.
  • Mit umfassendem Kontaktaufbau und Vernetzungsangeboten möchten wir dazu beitragen, dass die Anerkennung von Berufsqualifikationen, die MigrantInnen nach Österreich bereits mitbringen (oder auch ÖsterreicherInnen im Ausland erworben haben!) und mit denen sie in ihrem Herkunftsland oft schon beruflich erfolgreich waren, geordnet und transparent abläuft.
  • Wir bieten dazu gezielte Bildungsangebote an, die wir bedarfsorientiert schneidern. 

Aber was ist eigentlich so schwierig, an der Anerkennung einer Ausbildung?

Was die Behörden bei den „Anerkennungsverfahren“ tun, ist für Menschen, die damit keine Erfahrung haben, in schwer durchschaubaren rechtlichen Bestimmungen festgelegt. Allein, die richtige Stelle ausfindig zu machen, ist eine Herausforderung. Das kann einmal das Wirtschaftsministerium, dann wieder eine jeweilige Bundesländerstelle, die Fachhochschule oder die Bezirksverwaltungsbehörde sein. Dort die zuständige Ansprechperson herauszufiltern, dauert auch oft lange. Der Vergleich der Ausbildungen selbst kann eine mühevolle Kleinarbeit werden, da ja Berufsbezeichnungen, Lehrpläne, Praxiserfahrung etc. weltweit verglichen werden müssen, und auch die Entscheidung, ob die Ausbildung einer österreichischen „gleichwertig“ ist oder ob eine Nachschulung etc. nötig ist, braucht oft Zeit und hohe Kompetenz bei den Sachverständigen und den Behörden.

Was passiert ohne „Anerkennung“?

Auf diese formale Anerkennung zu verzichten, kann unangenehme Folgen sowohl für die ArbeitsgeberInnen haben, die nicht immer genau abschätzen können, was die ausländische Ausbildung „wert“ ist, als auch für ArbeitnehmerInnen/ Selbständige selbst:

  • Man wird möglicherweise unter seinem Niveau eingestuft,
  • man hat selbstverständlich keinen Berufsschutz,
  • und man erlebt wahrscheinlich eine Unterbrechung der beruflichen Laufbahn.

Gerade bei sozial wenig abgesicherten Migrantinnen besteht außerdem ein hoher Druck, rasch etwas zu verdienen, und die Wartezeit, bis die Diplome anerkannt sind (und das kann sich über viele Monate ziehen) ist oft zu lange: Man beginnt eine Tätigkeit, für die man weit überqualifiziert ist und bleibt dann dort stecken.

——

Zum Beispiel Reinigungskraft oder Küchenhilfe.

Vielleicht kennen sie eine Person, die davon betroffen ist, vielleicht sind es auch sie selbst. Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft, die den größten Anteil von MigrantInnen in Österreich darstellen, stehen ebenfalls oft vor einem Fragezeichen, wenn sie versuchen zu bestimmten Ausbildungen ein Äquivalent in Österreich zu finden, um es anerkennen zu lassen. Ebenso diejenigen, die ein tolles Zertifikat im Ausland erworben haben, mit dem hierzulande aber wenig anzufangen „scheint“.

Beteiligung und Integration in einer Gesellschaft sind eine Sache, Anerkennung die andere…

—————————————————————————-

Weitere Links und Kontakte:
http://www.inspire-thinking.at/
Mag.a
Mioara Grilasu mioara.girlasu@inspire-thinking.at
Mag.a Edith Zitz edith.zitz@inspire-thinking.at

http://www.zusammenleben.steiermark.at/

Fachtagung 2012 Kompetenz-Los/ Linz 
http://www.migrare.at/cms1/

Veröffentlicht unter global | Kommentar hinterlassen

Schlachtfelder der Schönheit

Dr.in Elisabeth Eckhart ist Fachärztin der Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Rosental an der Kainach

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, heißt es. Allerdings wird diese beeinflusst von allem was uns täglich begegnet. Und damit sich nicht nur „echte“ Menschen gemeint, sondern vor allem auch Bilder, die in/von Medien produziert werden. Gerade auf junge Menschen übt dieser Umstand einen großen Druck auf ihr Selbstbild und auch ihr Rollenbild in der Gesellschaft aus. Frauenärztin Dr. Elisabeth Eckhart steht nicht nur in unserer ICH_Mädchen – Woche für 14 – 17jährige, die sich mit ihrem Körper, ihrer Gesundheit, ihrer Zukunft und anderen brennenden Themen auseinandersetzen wollen im August Rede und Antwort, sondern bloggt auch hier über ein neues Schlachtfeld auf dem Schönheitssektor, dem sich heute viele pubertierende Mädchen stellen: Genitalchirurgie.

——————————————————————————–

„In unserer visuell geprägten Kultur  werden wir nahezu pausenlos mit digital bearbeiteten Bildern von makellosen Individuen mit Idealfiguren überschwemmt.

Über unzählige Kommunikationskanäle wie Mädchen-,Frauen –und Modezeitschriften, Werbespots , Musikvideos und Fernsehserien wirken Bilder standardisierter jugendlicher Idealkörper auf unser Gehirn ein, hinter deren Produktion ein ganzes Heer von Leuten steht, im Einzelfall der FotografIn mit Team, VisagistIn, StylistIn, SchneiderIn,  ModedesignerIn, FriseurIn…und  vor allem aber fähige BildbearbeiterInnen, die schließlich für die definitive Form verantwortlich sind.

Wissenschaftliche Studien haben bewiesen,  dass bereits bei 10 jährigen Mädchen diese idealisierten Bilder als Vergleichswert abgespeichert werden. Nicht diese aufwändig idealisierten Bilder  werden als falsch wahrgenommen, sondern das Mädchen ,die Frau fühlt sich falsch ,weil sie diesen Bildern  nicht entspricht  und versucht mit Hilfe einer gewaltigen Schönheitsindustrie diesem Idealbild möglichst nahe zu kommen, einem internationalen Trend folgend auch immer häufiger mit operativen Eingriffen.

Während für mich chirurgische Eingriffe immer noch etwas sind , das man tunlichst vermeidet, solange es nicht aus medizinischen Gründen erforderlich  ist, sind schönheitschirurgische Eingriffe für immer mehr und immer jüngere Menschen zu einem Konsumartikel geworden, wie auch das notwendig gewordene gesetzliche Verbot solcher Eingriffe an unter 16 Jährigen widerspiegelt.

Schließlich ist auch die vormals als Intimbereich bezeichnete Körperregion absolut nicht mehr intim , sondern  ein aufstrebendes Zielgebiet der Schönheitschirurgie geworden.

Angeboten werden ein Vielzahl von Eingriffen, unter anderem die Designer –Vagina, die Vaginale Verjüngung, die G- Punkt -Intensivierung, die Verengung der Vagina, Klitoris- Repositionierung unter das Hautniveau, Entfernung der Klitoris- Vorhaut, die Verkleinerung  der kleinen Schamlippen, die Verkleinerung oder Auffüllung der großen Schamlippen und die Modellierung des Venushügels.

Die wachsende Unzufriedenheit mit dem Aussehen des eigenen Geschlechtsorgans schlägt sich in einer steigenden Nachfrage nach diesen medizinisch nicht indizierten Eingriffen nieder. Zugrunde liegende Ursachen sind im Trend zur Entfernung der Intimbehaarung, in der leichten Zugänglichkeit aufwändig manipulierter pornografischer Darstellungen und die Verlagerung sexueller Unzufriedenheit auf körperliche Ebene zu sehen.

Häufig nicht bedacht  werden dabei die sexualmedizinischen Risiken und Folgen, wie:

  • Nachblutungen
  • Wundheilungsstörungen
  •  Infektionen
  • Narbige Kontrakturen
  • Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens durch Sensibilitätsstörungen bis hin    zu Missempfindungen.
  • gestörter Erregungsaufbau
  • Störungen der Befeuchtung der Vagina
  • Schmerzhafter Geschlechtsverkehr
  • reaktive Lustlosigkeit

Da die möglichen  negativen gesundheitlichen Konsequenzen häufig unterschätzt werden, haben sich namhafte Fachgesellschaften in  Zusammenarbeit mit der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten,  der Frauenabteilung der Stadt Wien, sowie der Wiener Ärztekammer veranlasst  gesehen, ein Konsensuspapier zu erarbeiten und Leitlinien zur weiblichen Genitalchirurgie zu erstellen, in denen klare Richtlinien formuliert wurden, um zu verhindern, dass Operationen aus subjektiven ästhetischen  Gründen leichtfertig durchgeführt  werden und um zukünftigen Fehlentwicklungen auf diesem Gebiet entgegenzusteuern.“

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

vom beTEILigen und MITreden LASSEN

Jakob M. Erwa, Filmregisseur und Drehbuchautor

Diesmal bloggt der Grazer Filmregisseur Jakob M. Erwa über gesellschaftliche Teilhabe und was er damit zu tun hat.
—————-
Es gibt ja viele Gelegenheiten sich zu beteiligen. Die aktuelle EM ist so eine Sache, die Fans in ganz Europa mobilisiert und mitfiebern lässt. Diese Begeisterung ist allerdings vergeblich zu suchen, wenn es um Politik geht. Für viele Jugendliche scheint dieses Wort gerade zu gruselig und ist leider all zu oft mit viel Schulterzucken und einem „ich kann eh nichts machen, mir hört eh keiner zu“ verbunden.

Film allerdings ist ein dankbares Medium. Dafür lassen sich viele schnell begeistern. So auch der Hintergedanke der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und BürgerInnenbeteiligung, die mit dem Projekt filmbeTEILigt ein Forum schafft, in dem Jugendliche ein kreatives Ventil erhalten, um mit zu reden und ein Gefühl für poltische Partizipation zu entwickeln.

Das spannende dabei ist, dass es sich nicht wie politische Arbeit anfühlt, oder zumindest das, was in erster Linie darunter verstanden wird. Denn alles was gelernt wird, hat einen Erkenntnisaspekt. Vor allem aber, dass alle zusammenhelfen müssen, wenn am Ende ein guter Film rauskommen soll, dass alle aufeinander hören müssen. Wo kann ich jemanden stärken, wo muss etwas kompensiert werden? Das sind Fragen die bereits bei der ersten gruppendynamischen Übung auftauchen und sich durch den kompletten Workshop ziehen; die aber auch im politischen Kontext von großer Bedeutung sind. Das Faszinierende ist, dass obwohl in der Altersklasse 14 – 18 wirklich entwicklungstechnisch große Unterschiede sind, sich diese durch die gute Zusammenarbeit absolut ausgleichen und eine homogene Gruppe entsteht. Wäre schön, wenn das auch in anderen Zusammenhängen passiert…

Wer bestimmt eigentlich wie „Alter“ zu sein hat?

Gerade Jugendliche die in 2. und 3. Generation in Östereich oder Deutschland leben bekommen immer wieder die Frage gestellt „Woher kommst du?“ und die Antworten „Leoben“, „Wien“, „Graz“ scheinen für viele Fragende nicht zufriedenstellend. Gleichermaßen ist es für die Jugendlichen frustrierend, immer das Gefühl zu bekommen, nicht dazuzugehören, kein Teil dieser Gesellschaft zu sein, nur Gast. Dementsprechend höher ist auch oft die Einstellung „auf mich hört eh keine/r“. FilmbeTEILigt ist in diesem Fall zumindest ein Projekt, dass sehr wohl als Sprachrohr fungiert.

——————————————————–

In diesem Sinne wäre es sehr schön, wenn auch viele andere Bildungsinstitutionen überlegen, wie sie Kreativität und politische Partizipation bündeln können, um diejenigen teilhaben zu lassen, die oftmals durch den Rost fallen. Und das fängt bereits beim Lesen an. Zieht sich über Chancen am Arbeitsmarkt, Geschlecht, Alter, Ausbildung und Herkunftsland sowieso. 

Hidden.Stories.ganz.Graz ist übrigens so ein Projekt, das auch beTEILigt und MITreden lässt. Ein paar interessante Beobachtungen aus dem Austellungsprojekt von inspire:

Wir wünsche viel Inspiration für politische Partizipation!🙂

Veröffentlicht unter global, regional | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar…

Renate Ömer vom Bildungs- und Heimatwerk Niederösterreich entwickelt unter anderem Vorschläge zur Arbeit mit Social-Media-Anwendungen in der Basisbildung. Aber Basisbildung wendet sich in erster Linie an Erwachsene, die aufgrund verschiedener Lebensumstände Grundkenntnisse im Schreiben, Rechnen, Lesen und der EDV nicht ausreichend erlernt haben. Bis zu Social-Media scheint da ein weiter Weg zu sein. Wie dieser beschritten werden kann, wird sich sicherlich am 18. und 19 Juni bei der Tagung Zukunft Basisbildung „web literacy“ herausstellen, bei der auch wir mit einem Workshop vertreten sind. Renate Ömer auch.

In Österreich leben nach Schätzungen zwischen 300 000 und 600 000 Menschen, die nicht ausreichend die grundlegenden Kulturtechniken beherrschen. Wie meistern diese denn Alltag und ihr Berufsleben? Zu lesen und zu rechnen gibt es ja genügend Gelegenheiten? Wie kommen sie dem aus?

Renate Ömer: “ Sie versuchen natürlich, nicht in eine argumentative Notlage zu kommen. Nicht ausreichend lesen, rechnen oder schreiben zu können, erzeugt einen Rechtfertigungsnotstand für die Betroffenen: Wie konnte es so weit kommen? Behindert? Sonderschule? Psychisch krank? Bananenrepublik?  Angesichts solcher Zuschreibungen ist es besser, erst gar nicht in eine argumentative Notlage zu geraten. Alle die, die nie zu Konzerten, Infoveranstaltungen oder Reisevorträgen gehen, obwohl sie die Bilder auf den Plakaten neugierig machen würden, – weil sie vor Wörtern mit mehr als vier Buchstaben kapitulieren. Alle, die immer warten, bis sie von ihren Freunden auf dem Handy angerufen werden, ob sie bald kommen, weil sie die Uhrzeit nicht richtig ablesen können. In dem Bewusstsein, etwas nicht zu können, was schon Kinder lernen, leben sie unauffällig, angepasst, sorgsam darauf bedacht, dass keine unangenehmen Situationen entstehen: Rückgeld schnell eingesteckt, nicht zu lange vor dem Plakat stehengeblieben, so getan, als ob sie die Zeit übersehen hätten. Ihre Wege sind immer dieselben, die Arbeit immer die gleiche, die Freunde wechseln nie.Läuft das Leben in gewohnten Bahnen, ist alles in Ordnung. Bildungsdefizite sind unsichtbar.

Manchmal ändern sich die Umstände allerdings: Der Arbeitsplatz wird digitalisiert, neue Formulare eingeführt, auf den vertrauten Wegen wird umgebaut – der Bus fährt nicht mehr wie gewohnt, das Geld reicht nicht mehr aus, Vermeidungsstrategien greifen nicht mehr. Die Folge sind Demütigung, Rückzug und Isolation. Armut und Schulden kommen plötzlich zum Vorschein. Abhängigkeiten setzen unliebsame Mechanismen in Gang: Kündigung, AMS-Maßnahmen, Nachweis der Arbeitsfähigkeit, Gerichtsverfahren wegen unbezahlter Strafmandate … manche gehen lieber ins Gefängnis als sich zu outen. Das passiert nicht nur im Film.

Und dann? Wie kommt jemand dazu auch noch nach der regulären Schulzeit wieder zu lernen? Ist das überhaupt möglich?

Vielleicht kommt zu dem Zeitpunkt, an dem wirklich alles „aufzufliegen“ droht, ein Kontakt mit einer kompetenten Persönlichkeit zustande. Die treibt dann wahrscheinlich die Alfa-Telefonnummer auf oder weiß sogar Bescheid, welche Organisationen in der Umgebung dementsprechende Kurse anbieten. Ein echter Glücksfall. Denn: Erleichterung entsteht – „es gibt viele, denen es so geht, und die sind nicht blöd oder behindert“, Vertrauen und Anerkennung kommen: „Sie haben viel geschafft in Ihrem Leben!“, „Dieses Talent hilft Ihnen, noch mehr zu schaffen!“ Und das Beste: Die Lernbegleitung versteht es, Erfolge sichtbar zu machen und zu feiern. Ein wunderbares Gefühl.
Das Vertuschen hat ein Ende, wenn der Status quo festgestellt und angenommen werden kann. Das geschieht natürlich nur in einer vorbehaltlos wohlwollenden Umgebung. Je dichter das Netz und je kompetenter und aufmerksamer Leute, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene profitieren.

Aber haben denn Leute, die noch nie etwas gelernt haben auf einmal das Bedürfnis zu lernen?

Nun, vielleicht haben sie weniger das Bedürfnis zu lernen als zu wissen und zu können.  Die Aussicht auf den eigenen Lernerfolg und der erwartete persönliche und berufliche Nutzen sind die stärksten Zugpferde auf dem Weg zum Wissen und Können. Frauen und Männer haben da einen durchaus unterschiedlichen Zugang – aber das ist eine andere Geschichte.

Grundsätzlich braucht erfolgreiches Lernen bedarfsgerechte Netzwerke und offene Lernumgebungen mit vielfältigen Austauschmöglichkeiten. Ziel in der Basisbildung ist es – ausgehend vom persönlichen Lernstand – relevantes Wissen für den Lernprozess zu identifizieren, zu bewerten, zu beschreiben und gemeinsam weiterzuentwickeln. Menschen mit geringen Kenntnissen im Lesen, Schreiben, Rechnen und Computerbenutzung brauchen besondere Unterstützung hinsichtlich der (Selbst-)Motivation, der Selbstorganisation und der Bewertung der eigenen Lernfortschritte. Das setzt eine Offenheit im didaktischen und methodischen Handeln voraus, die auf die spezifischen Lernbedürfnisse eingeht.

Wer gerne mehr dazu wissen möchte, ist herzlich eingeladen die Tagung Zukunft Basisbildung in Graz zu besuchen, oder auf einen der Links zu klicken.

http://www.facebook.com/#!/profile.php?id=100003785464246
http://www.alphabetisierung.at/
http://www.basisbildung.at

Veröffentlicht unter global | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Komfortzonen-Mama?

Liebe Anna,

die Diskussion mit deinem Vater Gottfried Hofmann-Wellenhof zum Thema „Mama in der der Komfortzone“ (Kolumne_in der Keinen Zeitung vom 04.03.2012: Mama in Komfortzone) hat mich dazu bewogen in unserem Blog Stellung zu beziehen. Es freut mich sehr, dass du als Tochter einer großen, wie ich aus den wöchentlich erscheinenden Kolumnen deines Vater entnehme, fast ausschließlichen AkademikerInnen-Familie kommend, derzeit das Gefühl hast, eine freie Wahl bezüglich deiner beruflichen Karriere und deiner Familienplanung zu haben. Doch die freie Wahl, die du momentan empfinden magst, haben viele Frauen meiner Erfahrung als Leiterin einer Frauen– und Mädchenberatungsstelle nach nicht.

Warum ist das so…?

Die klassische Familie ( gelebt als Ehe oder Lebensgemeinschaft mit durchschnittlich 1,4 Kindern) ist in der heutigen Zeit nicht mehr d a s Versorgungsmodell für Frauen. Zum einen können es sich sehr viele Frauen aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht leisten zu Hause bei den Kindern zu bleiben. Zum anderen – und das sehe ich in meiner tagtäglichen Beratungsarbeit – wird es für Frauen vor allem mit niedrigen Bildungsabschlüssen, die sich entschieden haben für zwei und mehr Jahre bei den Kindern zu bleiben, zunehmend schwieriger nach ihrer Familienphase wieder in das Berufsleben zurückzukehren, ohne dabei große Abstriche hinsichtlich Karrieremöglichkeiten und/oder Verdienst machen zu müssen. Und zum dritten zeigt uns die Statistik deutlich, dass in Österreich fast die Hälfte aller Ehen noch vor dem 10. Jahrestag in die Brüche geht.

…die Armut (im Alter) ist eindeutig weiblich…

Auch der Wunsch vieler Frauen nach ihrer Karenz in Teilzeit zu arbeiten, birgt Gefahren, die sich erst im Alter, oft in einem sehr niedrigen Pensionsanspruch, richtig bemerkbar machen. So werden seit der Pensionsreform ab 01.01.2004 nicht mehr die besten 15 Einkommensjahre zur Berechnung der Bemessungsgrundlage der Pension herangezogen, sondern schrittweise die Durchrechnung des Lebenseinkommens auf 40 Jahre angehoben – zum Nachteil vieler Frauen, die aufgrund von Familienphasen Unterbrechungen ihrer Erwerbstätigkeit in Kauf nehmen (müssen).

Mehr dazu unter: http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/AMSinfo173.pdf

Berufskarriere und Kinderkriegen – ein Widerspruch?

Solange die berufliche Karriere und Kinder kriegen und diese auch zu erziehen im Widerspruch / in Konkurrenz stehen, wird sich im klassischen Rollendenken (die Frau bleibt zu Hause bei den Kindern / der Mann ist fürs Geldverdienen zuständig) nicht viel ändern. Jungen Mädchen rate ich diesbezüglich auch einmal einen kurzen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Das Recht bei vollen Bezügen länger als sechs Wochen bei seinem Kind zu Hause zu bleiben, ist noch nicht sehr alt. Als ich 1969 geboren wurde, hatte meine Mutter als berufstätige Volksschullehrerin keine Wahl. Sie konnte nach meiner Geburt sechs Wochen Mutterschutz in Anspruch nehmen und ging danach wieder „ganz normal“ zur Arbeit. Unser Einfamilienhaus wurde gerade fertig gebaut und schließlich wollten meine Eltern meinen beiden Brüdern und mir eine gute Schulausbildung samt Studium ermöglichen….damals wie heute fast nur denkbar, wenn beide Elternteile berufstätig sind….

Auch Männer tragen Verantwortung für ihre Familien…

Mit dem abschließenden Film „Echte Männer gehen in Karenz“ starte ich den Versuch, verzopfte Vorstellungen zu klassischen Rollen in einer Familie ein wenig durcheinanderzuwirbeln und zum Weiterdenken anzuregen……zum Denken an ein Leben, in dem jeder Mensch – egal ob Frau oder Mann – gleiche Rechte und Chancen wahrnehmen kann. Andere Arbeitszeitmodelle wären ebenfalls eine Überlegung wert.

Liebe Anna, wir wünschen dir von ganzem Herzen viel Erfolg für dein Studium, deine berufliche Karriere und dein zukünftiges Familienleben. Vor allem aber wünschen wir dir, dass du all deine Entscheidungen in einer Welt treffen kannst, in der du dich nicht zwingend entscheiden musst. Solange das allerdings nocht nicht der Fall ist, werden wir und andere ExpertInnen daran arbeiten, diesen Wunsch in die Realität umzusetzen.

Liebe Grüße

Doris Kaucic-Rieger, akzente Frauenservice

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Frauen sichtbar machen…

…ist eine der Strategien, um über den internationalen Frauentag zu berichten. Dachte sich auch die Kleine Zeitung. Als wir heute morgen das Exemplar mit unserer Stellungnahme in Händen hielten, fühlten wir uns jedoch übersehen. – Die Grazer Ausgabe machte im Bezirk Voitsberg heute ausnahmsweise die Runde.
Die Bezirksseite der Kleinen im Internet ist heute ebenfalls von gestern – im wahrsten Sinne. Einzig die E-Paper LeserInnen kamen in den Genuß. Glücklich die, die ein ipad oder Ähnliches besitzen.

Wir wollen dennoch mitreden – gerade heute – und sicht- und hörbar sein. In diesem Sinne:

Es reicht nicht, wenn sich nur die Frauen ändern

 

Veröffentlicht unter Lese-Empfehlung | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Die Frage nach dem Gehalt

Haben Sie kürzlich einmal Stellenausschreibungen unter die Lupe genommen? Ist Ihnen dabei etwas aufgefallen?
Sicherlich. Stundenlöhne bzw. Nettogehälter sind nicht länger ein Fall von Geheimniskrämerei sondern transparent für alle BewerberInnen. Kein böses Erwachen beim Vorstellungsgespräch mehr. Die Karten liegen von vornherein auf dem Tisch.

Der Grund: die sichtbare Wirksamkeit des Gleichbehandlungsgesetzes.
Elke Lujansky-Lammer von der Gleichbehandlungsanwaltschaft weiß mehr dazu:

Elke Lujansky-Lammer, Regionalanwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt

„Das Gleichbehandlungsgesetz schreibt seit 1.3.2011 vor, dass das festgelegte Mindestentgelt als Betrag angegeben werden muss – egal ob als Kollektivvertrag oder pro Stunde, Woche oder Monat. Auch feststehende kollektivvertragliche Zulagen sind anzuführen und die Bereitschaft zur Überzahlung, sofern eine solche besteht. Diese Bestimmungen gelten für Stellenausschreibungen mit einem Arbeitsvertrag in der Privatwirtschaft. Seit dem 1.1.2012 gibt es diese Verpflichtung auch für Arbeitsplätze im Bundesdienst.
Grundsätzlich geht es bei dieser gesetzlichen Regelung und der Verpflichtung der Betriebe, Einkommensberichte zu legen, darum, die Einkommenstransparenz zu erhöhen.“

Und warum sind dann erst seit Anfang diesen Jahres wirklich auffällig viele Löhne ausgewiesen und nicht schon viel früher?

„Das liegt vermutlich an der Strafbarkeit. Erst seit 1.1.2012 kann die Missachtung dieser Bestimmung eine Verwarnung zur Folge haben. Und bei weiteren Verstößen kann eine Geldstrafe von 360 Euro durch die Bezirksverwaltungsbehörden verhängt werden. Den Strafantrag können Personen stellen, die ein begründetes Interesse an dieser Position haben, als auch die Gleichbehandlungsanwaltschaft.“

Wird jetzt alles anders?

„Die Gehaltsangaben geben eine Information über die Untergrenze der Entlohnung eines konkreten Arbeitsplatzes – nicht mehr und nicht weniger. Sie sind  aber kein Ersatz für eine Gehaltsverhandlung mit dem/der Arbeitgeber/in, kein Ersatz für das Einholen bzw. Abklären von diesbezüglichen Informationen bei den Interessensvertretungen und keine Garantie für die Verhinderung einer Entgeltdiskriminierung, von der, im Hinblick auf die Statistik, häufiger Frauen als Männer betroffen sind. Die Einkommenstransparenz ist aber zumindest gegeben.“

Das sieht Markus Brenner, Personalberater im €CO-Interview anders. Konrad Brahmböck, Berater und Gehaltsexperte ebenfalls. Die Löhne seien größtenteils viel zu niedrig angegeben. Der Verweis auf Bereitschaft zur Überzahlung des Kollektivvertrages nutze da wenig. In den meisten Fällen sei die Bezahlung sehr stark von der Berufserfahrung der/des einzelnen abhängig, besonders in Führungspositionen und noch einmal speziell im Falle der Privatwirtschaft. Brenner befürchtet auch, dass Berufe nun zusehends nach Gehaltstabellen ausgewählt werden.

Ob die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen daher in der Realität geringer werden, bleibt fraglich. Ob die zwingende Gehaltsangabe einen Einfluss auf die Berufs- und Ausbildungswahl hat, und ob manche Branchen ihr Gehaltsschema mit den Jahren überdenken müssen, wird sich ebenfalls zeigen.
Zumindest für diejenigen, die bislang nahe am Kollektivvertag ausbezahlt wurden, bringt die gesetzliche Regelung die erhoffte Transparenz. Vielen sei bisher nicht bewußt gewesen, was ihnen eigentlich finanziell zustehe – so Brigitte Ruprecht, ÖGB. So lasse sich zumindest feststellen, ob man/frau falsch eingestuft wurde und könne dagegen vorgehen.

„Ein Muster für einen Strafantrag bei den Bezirksverwaltungsbehörden und weitere Informationen zu diskriminierungsfreien Stellenausschreibungen finden sich jedenfalls auf unserer Website www.gleichbehandlungsanwaltschaft.at.“

Der €CO-Beitrag vom 23.02.2012 zum Gehalts-Check ist in der TV-Thek einsehbar.

Veröffentlicht unter regional | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Weitblick statt Winterstarre

Angesichts der fortgeschrittenen Kalenderwoche könnte man einfach behaupten, wir hätten uns solange Zeit mit einem neuen Blogartikel gelassen, wie Vorstände mit ihrer Besetzung durch Frauen…😉
Nichts desto trotz werden von überall her immer mehr Stimmen laut, mit dem Tenor: „Es muss sich etwas ändern. So kann es nicht weitergehen!“

  • Ministerin Gabriele Heinisch-Hossek will mehr Frauen in den Vorständen;
  • die Studie von Ernst & Young zeigt auf, dass Unternehmen mit höherem Frauenanteil im Management wesentlich erfolgreicher sind;
  • im kürzlich veröffentlichten ArbeitgeberInnen-Ranking wird deutlich, dass auch ArbeitgeberInnen ihre BewerberInnen von sich überzeugen sollten – aus wirtschaftlichen Gründen;
  • Gabriele Lehner zeichnet in „Aufsicht ist weiblich?“ mehr als deutlich die Vorteile von Frauen in Führungspositionen nach;
  • und zuletzt sprach Genetiker Markus Hengstschläger medial ein Plädoyer gegen den Durchschnitt und fürs Querdenken aus.

Fakt ist: Innovation ist Trumpf. Fakt ist auch: Die ArbeitnehmerInnen werden zunehmend knapp. Unternehmen, die langfristig an konservativen Rollenbildern festklammern, werden zunehmend einen Fachkräftemangel feststellen und gleichzeitig von denjenigen überholt werden, die auf vielfältige Sichtweisen setzen.
„Frauen im Management machen Firmen erfolgreicher“ titelte Focus online vor kurzem – das sei das Ergebnis einer Untersuchung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young, die die 300 größten börsenorientierten Unternehmen Europas unter die Lupe genommen hatten. In der Studie wurden die Jahre 2005 und 2010 verglichen, und bei all jenen, bei denen zumindest eine Frau in der Führungsetage saß, entwickelten sich Umsatz, Gewinn und MitarbeiterInnenzahl und Börsenwert positiver als der Durchschnitt. Gegenteiliges zeigte sich für reine Männerzirkel.

Perspektivenvielfalt statt Altbewährtes

Heidi Gaube, Projektmanagement bei akzente

Heidi Gaube, im Projektmanagement bei akzente und Austausch mit vielen nationalen und internationalen Unternehmen: „Wenn Unternehmen mehr Frauen in diesen Positionen besetzen, bekommen Sie dadurch auch eine Vielzahl unterschiedlicher Zugänge.“ Ebenso die InterviewpartnerInnen von Gabriele Lehner bescheinigen, dass „eine Gruppe stromlinienförmiger Männer mit gleichen Ansichten und ähnlichem Background, in der Regel auf Du und Du mit dem Vorstand“ mittlerweile nicht mehr als professionelles Kontrollgremium gilt. Stattdessen würden weibliche Entscheiderinnen nachgefragt; da sie nachhaltigere Führungsperspektiven  und mehr Eigeninitiative einbringen würden. Prinzipiell lässt sich schwer sagen, ob es nun genau die Frauen sind, die den Erfolg ausmachen. Die Firmen jedenfalls, die sie nicht ausschließen und bei der genannten Studie von Ernst & Young gut abschneiden, sind allgemein offener und kreativer als andere. Es stellt sich die Frage nach dem Huhn und dem Ei.

Gabriele Lehner, Expertin in der Personalsuche von AufsichtsrätInnen

In Österreich und Deutschland ist von einer Umverteilung in den Führungsetagen jedenfalls noch wenig zu bemerken.

Es geht auch anders_Weitblick
Kritische Stimmen im Internet bemühen bezüglich Frauen in Führungsetagen gerne eine Beobachtung aus Norwegen. In einer Studie der Universität Michigan wurde der kurzfristige Einfluss auf die ebenfalls kurzfristige Erfüllung der Frauen-Quote in Vorständen der größten norwegischen Unternehmen gemessen. Ergebnis: negativ. Grund: Die Auswahl an geeigneten berufserfahrenen Kandidatinnen für die Besetzungen war wesentlich geringer als der Pool der männlichen Kanditaten. Was nicht verwundern darf – europäische Vorstände werden in der Regel (noch) von 50 – 65jährigen Männern mit geradlinigen Berufskarrieren besetzt. Die Anzahl derjenigen Frauen im Management, die sich bis dato ohne familienbedingter Karriereunterbrechung auf derselben Karrierestufe mit 50 – 65 Jahren befinden, dürfte durchaus gering ausfallen.
Sollen wir auf deren natürliches Anwachsen warten?

Heidi Gaube: „Nein. Wir können nicht ewig warten. Gerade in jungen Forschungsunternehmen passiert aber gerade ein Umdenken an einer anderen Stelle. Es lässt sich beobachten, dass frischgebackene Väter auch in Karenz immer noch geringfügig in den Unternehmen beschäftigt bleiben. Viele weibliche Mitarbeiterinnen verschwinden aber mit dem Eintritt in den Mutterschutz komplett von der Bildfläche und gehen damit dem Unternehmen verloren. An diesem Punkt wird zunehmend an der MitarbeiterInnenbindung gearbeitet. Auch dass Mütter nicht mehr so stark „beschützt“ werden, und gar nicht mehr gefragt werden, ob sie z.B. auf den einen oder anderen Kongress mitfahren möchten. Das ist zwar sehr gut gemeint, und in einem gewissen Ausmaß auch richtig so; allerdings gilt dieses Beschützen kaum für Väter und gleichzeitig werden die Mütter irgendwann gar nicht mehr gefragt. Dadurch entgehen auch wichtige Karrierechancen.“

Die MitarbeiterInnen seien nach Berichten der Unternehmen zufolge auch viel entspannter, wenn für betriebsinterne Kinderbetreuung – gerade in Ferienzeiten udn Krankheitsfällen gesorgt würde – so Gaube. Der Nutzen einer Väterkarenz ist für die Unternehmen – außer als Aushängeschild – bislang noch nicht zu sehen. Allerdings: Wenn qualifizierte Arbeitskräfte knapp werden, könnten genau diese Aushängeschilder (Frauen in Führungsetagen und Väterkarenz) zum Zünglein an der Waage werden. Nicht umsonst bemühen sich bereits im wissenschaftlichen Bereich Universitäten darum, Doppelkarrierepaare zu rekrutieren und zu halten.
In der Rekruting-Studie „Career’s Best Recruiters“ heißt es, die BewerberInnen sollten als KundInnen betrachtet werden. Und gab es da nicht mal diesen Spruch von wegen Kunde/in und König/in?

Markus Hengstschläger, der Genetiker, genießt derzeit mit seinem Buch „Die Durchschnittsfalle“ große Popularität. Über geschlechtstypische Rollenbilder hat er sich – den aktuellen Interviews zufolge – bislang wenig Gendanken gemacht. Allerdings sein Credo – „Wer in Österreich geboren ist, läuft Gefahr als Original geboren zu werden und als Kopie zu enden“  – könnte auch ein guter Ansatz sein, bestehende starre Unternehmensstrukturen genauer zu beleuchten, und daraus innovativere und geschlechtergerechtere zu konstruieren.

Veröffentlicht unter global | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar