Die Frage nach dem Gehalt

Haben Sie kürzlich einmal Stellenausschreibungen unter die Lupe genommen? Ist Ihnen dabei etwas aufgefallen?
Sicherlich. Stundenlöhne bzw. Nettogehälter sind nicht länger ein Fall von Geheimniskrämerei sondern transparent für alle BewerberInnen. Kein böses Erwachen beim Vorstellungsgespräch mehr. Die Karten liegen von vornherein auf dem Tisch.

Der Grund: die sichtbare Wirksamkeit des Gleichbehandlungsgesetzes.
Elke Lujansky-Lammer von der Gleichbehandlungsanwaltschaft weiß mehr dazu:

Elke Lujansky-Lammer, Regionalanwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt

„Das Gleichbehandlungsgesetz schreibt seit 1.3.2011 vor, dass das festgelegte Mindestentgelt als Betrag angegeben werden muss – egal ob als Kollektivvertrag oder pro Stunde, Woche oder Monat. Auch feststehende kollektivvertragliche Zulagen sind anzuführen und die Bereitschaft zur Überzahlung, sofern eine solche besteht. Diese Bestimmungen gelten für Stellenausschreibungen mit einem Arbeitsvertrag in der Privatwirtschaft. Seit dem 1.1.2012 gibt es diese Verpflichtung auch für Arbeitsplätze im Bundesdienst.
Grundsätzlich geht es bei dieser gesetzlichen Regelung und der Verpflichtung der Betriebe, Einkommensberichte zu legen, darum, die Einkommenstransparenz zu erhöhen.“

Und warum sind dann erst seit Anfang diesen Jahres wirklich auffällig viele Löhne ausgewiesen und nicht schon viel früher?

„Das liegt vermutlich an der Strafbarkeit. Erst seit 1.1.2012 kann die Missachtung dieser Bestimmung eine Verwarnung zur Folge haben. Und bei weiteren Verstößen kann eine Geldstrafe von 360 Euro durch die Bezirksverwaltungsbehörden verhängt werden. Den Strafantrag können Personen stellen, die ein begründetes Interesse an dieser Position haben, als auch die Gleichbehandlungsanwaltschaft.“

Wird jetzt alles anders?

„Die Gehaltsangaben geben eine Information über die Untergrenze der Entlohnung eines konkreten Arbeitsplatzes – nicht mehr und nicht weniger. Sie sind  aber kein Ersatz für eine Gehaltsverhandlung mit dem/der Arbeitgeber/in, kein Ersatz für das Einholen bzw. Abklären von diesbezüglichen Informationen bei den Interessensvertretungen und keine Garantie für die Verhinderung einer Entgeltdiskriminierung, von der, im Hinblick auf die Statistik, häufiger Frauen als Männer betroffen sind. Die Einkommenstransparenz ist aber zumindest gegeben.“

Das sieht Markus Brenner, Personalberater im €CO-Interview anders. Konrad Brahmböck, Berater und Gehaltsexperte ebenfalls. Die Löhne seien größtenteils viel zu niedrig angegeben. Der Verweis auf Bereitschaft zur Überzahlung des Kollektivvertrages nutze da wenig. In den meisten Fällen sei die Bezahlung sehr stark von der Berufserfahrung der/des einzelnen abhängig, besonders in Führungspositionen und noch einmal speziell im Falle der Privatwirtschaft. Brenner befürchtet auch, dass Berufe nun zusehends nach Gehaltstabellen ausgewählt werden.

Ob die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen daher in der Realität geringer werden, bleibt fraglich. Ob die zwingende Gehaltsangabe einen Einfluss auf die Berufs- und Ausbildungswahl hat, und ob manche Branchen ihr Gehaltsschema mit den Jahren überdenken müssen, wird sich ebenfalls zeigen.
Zumindest für diejenigen, die bislang nahe am Kollektivvertag ausbezahlt wurden, bringt die gesetzliche Regelung die erhoffte Transparenz. Vielen sei bisher nicht bewußt gewesen, was ihnen eigentlich finanziell zustehe – so Brigitte Ruprecht, ÖGB. So lasse sich zumindest feststellen, ob man/frau falsch eingestuft wurde und könne dagegen vorgehen.

„Ein Muster für einen Strafantrag bei den Bezirksverwaltungsbehörden und weitere Informationen zu diskriminierungsfreien Stellenausschreibungen finden sich jedenfalls auf unserer Website www.gleichbehandlungsanwaltschaft.at.“

Der €CO-Beitrag vom 23.02.2012 zum Gehalts-Check ist in der TV-Thek einsehbar.

Über akzente

akzente - Zentrum für Gleichstellung und regionale Zusammenarbeit www.akzente.or.at
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