vom beTEILigen und MITreden LASSEN

Jakob M. Erwa, Filmregisseur und Drehbuchautor

Diesmal bloggt der Grazer Filmregisseur Jakob M. Erwa über gesellschaftliche Teilhabe und was er damit zu tun hat.
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Es gibt ja viele Gelegenheiten sich zu beteiligen. Die aktuelle EM ist so eine Sache, die Fans in ganz Europa mobilisiert und mitfiebern lässt. Diese Begeisterung ist allerdings vergeblich zu suchen, wenn es um Politik geht. Für viele Jugendliche scheint dieses Wort gerade zu gruselig und ist leider all zu oft mit viel Schulterzucken und einem „ich kann eh nichts machen, mir hört eh keiner zu“ verbunden.

Film allerdings ist ein dankbares Medium. Dafür lassen sich viele schnell begeistern. So auch der Hintergedanke der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und BürgerInnenbeteiligung, die mit dem Projekt filmbeTEILigt ein Forum schafft, in dem Jugendliche ein kreatives Ventil erhalten, um mit zu reden und ein Gefühl für poltische Partizipation zu entwickeln.

Das spannende dabei ist, dass es sich nicht wie politische Arbeit anfühlt, oder zumindest das, was in erster Linie darunter verstanden wird. Denn alles was gelernt wird, hat einen Erkenntnisaspekt. Vor allem aber, dass alle zusammenhelfen müssen, wenn am Ende ein guter Film rauskommen soll, dass alle aufeinander hören müssen. Wo kann ich jemanden stärken, wo muss etwas kompensiert werden? Das sind Fragen die bereits bei der ersten gruppendynamischen Übung auftauchen und sich durch den kompletten Workshop ziehen; die aber auch im politischen Kontext von großer Bedeutung sind. Das Faszinierende ist, dass obwohl in der Altersklasse 14 – 18 wirklich entwicklungstechnisch große Unterschiede sind, sich diese durch die gute Zusammenarbeit absolut ausgleichen und eine homogene Gruppe entsteht. Wäre schön, wenn das auch in anderen Zusammenhängen passiert…

Wer bestimmt eigentlich wie „Alter“ zu sein hat?

Gerade Jugendliche die in 2. und 3. Generation in Östereich oder Deutschland leben bekommen immer wieder die Frage gestellt „Woher kommst du?“ und die Antworten „Leoben“, „Wien“, „Graz“ scheinen für viele Fragende nicht zufriedenstellend. Gleichermaßen ist es für die Jugendlichen frustrierend, immer das Gefühl zu bekommen, nicht dazuzugehören, kein Teil dieser Gesellschaft zu sein, nur Gast. Dementsprechend höher ist auch oft die Einstellung „auf mich hört eh keine/r“. FilmbeTEILigt ist in diesem Fall zumindest ein Projekt, dass sehr wohl als Sprachrohr fungiert.

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In diesem Sinne wäre es sehr schön, wenn auch viele andere Bildungsinstitutionen überlegen, wie sie Kreativität und politische Partizipation bündeln können, um diejenigen teilhaben zu lassen, die oftmals durch den Rost fallen. Und das fängt bereits beim Lesen an. Zieht sich über Chancen am Arbeitsmarkt, Geschlecht, Alter, Ausbildung und Herkunftsland sowieso. 

Hidden.Stories.ganz.Graz ist übrigens so ein Projekt, das auch beTEILigt und MITreden lässt. Ein paar interessante Beobachtungen aus dem Austellungsprojekt von inspire:

Wir wünsche viel Inspiration für politische Partizipation! 🙂

Über akzente

akzente - Zentrum für Gleichstellung und regionale Zusammenarbeit www.akzente.or.at
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