Schlachtfelder der Schönheit

Dr.in Elisabeth Eckhart ist Fachärztin der Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Rosental an der Kainach

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, heißt es. Allerdings wird diese beeinflusst von allem was uns täglich begegnet. Und damit sich nicht nur „echte“ Menschen gemeint, sondern vor allem auch Bilder, die in/von Medien produziert werden. Gerade auf junge Menschen übt dieser Umstand einen großen Druck auf ihr Selbstbild und auch ihr Rollenbild in der Gesellschaft aus. Frauenärztin Dr. Elisabeth Eckhart steht nicht nur in unserer ICH_Mädchen – Woche für 14 – 17jährige, die sich mit ihrem Körper, ihrer Gesundheit, ihrer Zukunft und anderen brennenden Themen auseinandersetzen wollen im August Rede und Antwort, sondern bloggt auch hier über ein neues Schlachtfeld auf dem Schönheitssektor, dem sich heute viele pubertierende Mädchen stellen: Genitalchirurgie.

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„In unserer visuell geprägten Kultur  werden wir nahezu pausenlos mit digital bearbeiteten Bildern von makellosen Individuen mit Idealfiguren überschwemmt.

Über unzählige Kommunikationskanäle wie Mädchen-,Frauen –und Modezeitschriften, Werbespots , Musikvideos und Fernsehserien wirken Bilder standardisierter jugendlicher Idealkörper auf unser Gehirn ein, hinter deren Produktion ein ganzes Heer von Leuten steht, im Einzelfall der FotografIn mit Team, VisagistIn, StylistIn, SchneiderIn,  ModedesignerIn, FriseurIn…und  vor allem aber fähige BildbearbeiterInnen, die schließlich für die definitive Form verantwortlich sind.

Wissenschaftliche Studien haben bewiesen,  dass bereits bei 10 jährigen Mädchen diese idealisierten Bilder als Vergleichswert abgespeichert werden. Nicht diese aufwändig idealisierten Bilder  werden als falsch wahrgenommen, sondern das Mädchen ,die Frau fühlt sich falsch ,weil sie diesen Bildern  nicht entspricht  und versucht mit Hilfe einer gewaltigen Schönheitsindustrie diesem Idealbild möglichst nahe zu kommen, einem internationalen Trend folgend auch immer häufiger mit operativen Eingriffen.

Während für mich chirurgische Eingriffe immer noch etwas sind , das man tunlichst vermeidet, solange es nicht aus medizinischen Gründen erforderlich  ist, sind schönheitschirurgische Eingriffe für immer mehr und immer jüngere Menschen zu einem Konsumartikel geworden, wie auch das notwendig gewordene gesetzliche Verbot solcher Eingriffe an unter 16 Jährigen widerspiegelt.

Schließlich ist auch die vormals als Intimbereich bezeichnete Körperregion absolut nicht mehr intim , sondern  ein aufstrebendes Zielgebiet der Schönheitschirurgie geworden.

Angeboten werden ein Vielzahl von Eingriffen, unter anderem die Designer –Vagina, die Vaginale Verjüngung, die G- Punkt -Intensivierung, die Verengung der Vagina, Klitoris- Repositionierung unter das Hautniveau, Entfernung der Klitoris- Vorhaut, die Verkleinerung  der kleinen Schamlippen, die Verkleinerung oder Auffüllung der großen Schamlippen und die Modellierung des Venushügels.

Die wachsende Unzufriedenheit mit dem Aussehen des eigenen Geschlechtsorgans schlägt sich in einer steigenden Nachfrage nach diesen medizinisch nicht indizierten Eingriffen nieder. Zugrunde liegende Ursachen sind im Trend zur Entfernung der Intimbehaarung, in der leichten Zugänglichkeit aufwändig manipulierter pornografischer Darstellungen und die Verlagerung sexueller Unzufriedenheit auf körperliche Ebene zu sehen.

Häufig nicht bedacht  werden dabei die sexualmedizinischen Risiken und Folgen, wie:

  • Nachblutungen
  • Wundheilungsstörungen
  •  Infektionen
  • Narbige Kontrakturen
  • Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens durch Sensibilitätsstörungen bis hin    zu Missempfindungen.
  • gestörter Erregungsaufbau
  • Störungen der Befeuchtung der Vagina
  • Schmerzhafter Geschlechtsverkehr
  • reaktive Lustlosigkeit

Da die möglichen  negativen gesundheitlichen Konsequenzen häufig unterschätzt werden, haben sich namhafte Fachgesellschaften in  Zusammenarbeit mit der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten,  der Frauenabteilung der Stadt Wien, sowie der Wiener Ärztekammer veranlasst  gesehen, ein Konsensuspapier zu erarbeiten und Leitlinien zur weiblichen Genitalchirurgie zu erstellen, in denen klare Richtlinien formuliert wurden, um zu verhindern, dass Operationen aus subjektiven ästhetischen  Gründen leichtfertig durchgeführt  werden und um zukünftigen Fehlentwicklungen auf diesem Gebiet entgegenzusteuern.“

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Über akzente

akzente - Zentrum für Gleichstellung und regionale Zusammenarbeit www.akzente.or.at
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